04.10.2003 - Kultur&Medien / Bühne
Kritik Revue: Lotzelach von Anno dazumal
Reminiszenzen an den Wiener Komiker Armin Berg und jüdische Unterhaltungskultur im L.E.O.
Das L.E.O. ("Letztes erfreuliches Operntheater"), das kleine Souterrainlokal in der Wiener Baumannstraße, erinnert an vergangene Kellertheater-Jahre. Und die drei munter aufspielenden Herrn auf der Bühne führen mit ihrer flotten "Armin-Berg-Revue" in die Zeit zwischen den Weltkriegen. Damals, als jüdischer Humor, der Lotzelach, in Wien in voller Blüte stand. Armin Berg (1883 bis 1956) zählte als famoser Interpret von Couplets ("Der Überzieher", "Ich glaub' ich bin nicht ganz normal") zu den beliebtesten Komikern der Stadt. Volkstümlich, immer lächelnd, phlegmatisch rezitierend, pfiffig und blöd. Die Prater-Etablissements, das Kabarett "Max und Moritz", die "Kleine Lachbühne" waren seine Wirkungsstätten. Die Nazizeit konnte er als Papierwarenverkäufer in New York überleben. Ab 1949 trat er wieder im Simpl mit seinem alten Repertoire auf.
Die heutigen Berg-Drillinge Stefan Fleischhacker, Martin Thoma und Georg Wacks sind natürlich keine echten Bergs mehr. Doch ihre Pointen sitzen, die Verse fließen wie geschmiert, das Programm ist bunt und abwechslungsreich arrangiert. Anlass für dieses Revival: Wacks ist Präsident der frisch gegründeten Armin-Berg-Gesellschaft. Deren Anliegen ist nicht Berg allein. Jüdische Unterhaltungskultur verflossener Jahre soll dokumentiert, das Andenken an diese Künstler, von denen so viele in den Konzentrationslagern umgekommen sind, gepflegt werden. Ihre Texte, Stücke, Notenblätter, im Theaterzensurarchiv St. Pölten und anderen einschlägigen Sammlungen aufbewahrt, sollten nicht völlig in Vergessenheit geraten. mr
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