Die Furche
Rauchtheater
Armin-Berg-Revue am letzten Erfreulichen Operntheater in Wien.
von Julia DanielczykIn einem kleinen Kellerlokal im dritten Wiener Bezirk unterhält das L.E.O. (Letztes Erfreuliches Operntheater) auf ganz besondere Weise. Mit Varietéprogrammen, Ausstattungs- und Nummernrevuen bedient es sich Formen der Unterhaltungskultur aus den 1920er Jahren, einer Zeit, in der sich am Theater zahlreiche Möglichkeiten außerhalb der sogenannten Hochkultur entwickeln konnten.
Mit der Wiederaufnahme der Armin-Berg-Revue "Ich glaub' ich bin nicht ganz normal" stellt das L.E.O. einen der damals bekanntesten Komiker seiner Zeit und die Welt des jüdischen Humors ins Rampenlicht. Drei Conférenciers (Stefan Fleischhacker, Martin Thoma und Georg Wacks) unterhalten mit Couplets, Anekdoten und Sketches von Armin Berg, Louis Taufstein, Fritz Löhner-Beda und Friedrich Holländer.
Die Pointen wachsen aus klugem Nonsense, dem "Lotzelach", dem speziellen jüdisch-scharfsinnigen Witz, der bisweilen auch außerhalb strenger Political Correctness amüsiert. Damit belebt das L.E.O. ein Stück so genannter Rauchtheater-Kultur in Wien. Es wird getrunken und gegessen, während teils bitterböse, derb-deftige Couplets das Publikum nie unter seinem Niveau amüsieren.In der heitern Nummernrevue ist jeder der drei Darsteller Armin Berg: Wacks der tollpatschige, Fleischhacker der frech-heitere und Thoma repräsentiert als melancholisch-trauriger Entertainer exemplarische Biografien einer Künstlergeneration, deren wichtigste Exponenten von den Nazis ermordet wurden oder wie Armin Berg ins Exil gehen mussten. Zwischen gutsubventionierter Hochkultur, technisch dominierten Shows und tiefem Lachtheater wird das L.E.O. als Ort der intelligenten Unterhaltungskunst mit dem Charme eines ungewöhnlichen Etablissements seinen fixen Platz in der Wiener Theaterlandschaft behaupten. (Die Furche Nr. 18, 60.Jg. / 29.4.2004, S.15)